[play!] Theater

Eckard Bade

Theaterpädagoge, Schauspieler, Clown, Sprecher 

Grundlagen meiner Arbeit

Theaterpädagogik:
Eine Begriffsannäherung von der Seite der Kunst

Theaterspielen ist eine künstlerische Tätigkeit. Es gehört zu den darstellenden Künsten, die zusammen mit den bildenden Künsten, der Musik und der Literatur die wesentlichen Ausdrucksformen künstlerischen Schaffens bilden.

Die darstellenden Künste sind ephemer, d.h. sie haben den Charakter der Flüchtigkeit: Sie entstehen für den Augenblick und müssen in jedem Augenblick der Darstellung neu ergriffen werden.

Das aus pädagogischer Sicht zentrale Wesensmerkmal der Schauspielkunst ist ihre besondere Beziehung zwischen Künstler und Kunstwerk:

Der Darsteller als kunstschaffendes Subjekt ist in der Schauspielkunst mit dem Kunstobjekt identisch.

Er formt nicht einen materiellen oder immateriellen Gegenstand, sondern seinen eigenen ephemeren Ausdruck als Kunstwerk. Dies bewirkt ein intensives und unmittelbares Erleben und Reflektieren des eigenen Ausdrucks.

Gegenstand des Formprozesses sind im Wesentlichen zwei Ausdrucksmittel: Die Stimme (Atem, Töne und Gesang, Geräusche und Sprache) und die Bewegung (Selbstbewegung, Objektbewegung). Dazu kommt die Ebene der persönlichen Färbung des Ausdrucks mit Charakterzügen, Emotionen und sozialen Beziehungen: Das Einfühlen in die fremde Rolle.

Mit Hilfe von weiteren Disziplinen der Darstellenden Kunst (z.B. Tanz und Gesang), von Disziplinen der bildenden Kunst (z.B. Maske, Kostüm und Requisite, Foto-, Video-, Licht- und Tontechniken), von Musik (Instrumental- und Vokalwerke) und von Literatur (dramatische, epische und lyrische Vorlagen) wird das Schauspiel im Übungsprozess und in der Aufführungssituation in der Regel zu einem umfassenden Gesamtkunstwerk.

Theaterpädagogik:
Eine Begriffsannäherung von der Seite der Pädagogik

Gegenstand jeder pädagogischen Tätigkeit ist die Bildung und Erziehung des Menschen zu einer eigenständigen Wahrnehmungs-, Beurteilungs- und Handlungsfähigkeit.

Eine geeignete theoretische Grundlage über die Zielsetzung pädagogischen Handelns bietet das Handlungskompetenzmodell nach Prof. Dr. T. Hülshoff. Danach setzt sich die Handlungskompetenz, also die Fähigkeit, "sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht, sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten" (Quelle: Kultusministerkonferenz 2011, S. 14), aus den Grundkompetenzen Fach- und Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Persönlichkeitskompetenz zusammen.

Im Gegensatz zu den meisten schulischen oder betrieblichen Fördermaßnahmen, die vorwiegend rational geprägt sind, also die Fach- und Methodenkompetenzen zum Ziel haben, ist das Theaterspiel ein äußerst geeignetes Mittel zur Entwicklung der Persönlichkeitskompetenz und der Sozialkompetenz.

Dies setzt jedoch ein langfristig angelegtes Training, vergleichbar mit einem körperlichen Fitnesstraining, voraus: Auch hier müssen "Organe" zur Förderung der Selbstwahrnehmung und sinnlichen Wahrnehmung, der Erlebnisfähigkeit, der Sozial- und Empathiefähigkeit, sowie des kommunikativen Ausdrucks aufgebaut und trainiert werden.

Das Theaterspiel leistet dieses Training durch seine ungewöhnlich hohe Vielseitigkeit. Es vereint sprachlichen, gestischen und emotionalen Ausdruck mit intellektuellem und kulturellem Anspruch in einem sozialen Kontext. Durch die bereits beschriebenen Besonderheit der Identität zwischen Darsteller und dargestelltem Objekt ermöglicht es eine konstruktive Selbstreflexion und fördert die Erlebnis- und Empathiefähigkeit. Die Anregung zu kreativen Prozessen und zur Abstraktion fördert das bildliche Vorstellungsvermögen und die Fähigkeit, quer zu denken.

Zitat

"Theaterspiel kann wie keine andere Kunstform viele Bereiche vereinigen. Es dient der ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung des Schülers, indem es gleichermaßen seine rationalen wie emotionalen, intellektuellen wie kreativen, physischen wie musischen, individuellen wie sozialen Fähigkeiten fördert. Schultheater hat auch eine enge Beziehung zur Literatur, trägt zur kulturellen Entwicklung des Schülers bei und bereichert zugleich das kulturelle Angebot der Schule. In einer von raschem technologischem Wandel und von elektronischen Medien geprägten Welt gewinnt das Schultheater zunehmend Bedeutung. Es kann junge Menschen erlebnisfähiger machen, was sich positiv auf die gesamte Schulleistung und das Freizeitverhalten auswirkt. Der Schüler lernt, mit anderen auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten und selbstbewußter vor die Öffentlichkeit zu treten."

(Auszug aus: Landeskunstkonzeption Baden-Württemberg, 1990)


[play!] – einfach spielen, spielend einfach.